Textproben

Lust auf Reusch? Lesen Sie mal rein!

Eine Textauswahl – für den wahren Fan – und jeden, der es werden will…

Sein erstes Hörspiel wurde 1984 produziert (Friedensinterview, BR) Heute schreibt und spricht er für viele Programme.

 

1. … immer aktuell: SWR 3 – Reuschs Rückblick!

(auch als podcast)

23.06.2017

Seid ihr alle da?
Die Trojaner rufen „Ja!“
Endlich! Jedes Smartphone kriegt seinen Staatstrojaner, nicht drängeln, iss genug da, ohne Aufpreis, Betrug dankend erhalten. Das ist digitale Romantik: Der Staatstrojaner beschützt dich, er will kuscheln, er will dich, alles…
Er interessiert sich für dich, das ist doch ein schönes Kompliment.
Besser als gehackt werden von anderen Kriminellen – von anderen, das ist nämlich kriminell. Aber der Staat, das ist ja mein Staat, wir sind ’ne Familie, wir sind miteinander verwanzt, verwandt.
Ja, Verwandtschaft kann man sich ja auch nicht aussuchen. Das wissen auch Kinder von Altbundeskanzlern.
Der Staat sammelt alles über mich. Toll. Muss ich’s nicht selbst machen. Das entlastet mich.
Das selbstfahrende Auto, – kommt ja bald – entlastet mich noch mehr! Macht’s’n Unfall – oje, aber egal: „Ich bin nit gefahren!“
Aber wen darf mein Auto überfahren? Und wen nicht? Knifflig.
Und eine Ethikkommission, das sind Menschen mit viel Moral (was es alles gibt) die Kommission, die sagte: „Nee, so was musst Du entscheiden, Mensch. Nicht dein gefederter Freund. Autos haben keine Moral.“
Und, bitte, was soll dann an dieser Technik intelligent sein? Die ist bloß doof. Wie immer.   Schuldigung Staatstrojaner, ich rede nicht von dir. Nur mit dir.
Andererseits: ein Auto mit Moral kann es gar nicht geben, weil das würde ja nie losfahren. Weil es weiß: Ich mache tot. Und ich stinke. Und jedes Mal vorm Urlaub ist mein Kofferraum viel zu klein.
Mich braucht keiner…

 

2.

Reusch rettet die Welt  oder  Das rote Fischförmchen   –   DAS  BÜHNENPROGRAMM …

… mit dem „Meister der anarchistischen Reime und Wortverdrehungen“. (Kölnische Rundschau)

UM WAS GEHT’S?
Es sieht nicht so gut aus auf der Welt.
Trottel, Trump und trohende Rechtschreibschwäche bevölkern den Planeten.
Was tun? Trinken bis zum Anschlag? Bis zum –?! Bloß nicht!
Denn einer rettet die Welt! Wir haben ja sonst keine.
Dazu brauchen wir jemanden. Und wir haben ja nur einen: Stefan Reusch
Mit sanftem Lächeln und großer Geistesanwesenheit putzt der SWR 3-Wochenrückblicker in „Reusch rettet die Welt“ alles runter, was ihn stört. Dazu gehören: dumme Hühner und Erdohähne, Sonnenschein und Windkraft, Männer und Frauen, aber auch Kinder und Plastiktüten.

Die Presse urteilt „Reusch zeigt beim Weltretten eine thematische und mimische Bandbreite, die ihresgleichen sucht.“
„Verbalgigant!“, „Wortakrobatik auf höchster Ebene!“, „Haarsträubend großartig!“,

Termine

 

3. Ein Hesse packt aus…   Über Willkommenskultur, über Fremde und „Überfremdung“
Ich geb zu: Isch hab mir auch – so aus Angst heraus – hab isch mir einen Beschwerungsmelder … so’n Bewe-scher-rungs-melder gekauft, jetzt nit speziell wegen der schwarzen Flüchtlinge, nee, der zeigt ganz allgemein, wenn sich ein Schatte in der Nacht bewegt.
Sicher: Auch ein dunkler Schatten. Aber nit speziell nur! Nee. Das Fremde bin ich gewohnt.
In Hessen fühlt man sich von Anfang fremd. Jeder.
Jeder, der hier geborn iss, sagt: das kann es doch nicht sein. Später sagt mans annerster: das kanns doch nicht gewesen sein! Isses aber…
Als wir es erstemal mit Flüchtlingen …Mir hams ja gewusst, schon rechtzeitig, dass die kommen. dochdoch. Geschockt warn mir trotzdem, wann hab ich die ersten..?
1989 kamen die über die ThüringenRoute, Jena, Erfurt Deutschland. Bis hierher. Hätten mir auch nit gedacht, dass die bis zu uns kommen, mir dachten, die kommen bis nach Westberlin. Aber die sind – da war keine Ordnung, keine Struktur, die sind wie .. ja wie ne Lawine, sind die- und alle nach Frankfurt, zum Beate-Uhse! Das war dieser Freiheitsdrang. Sex und Autos, alles von hundert Mark Begrüßungsgeld, Das konnt ja nit gutgehen. Hätte man denen nur Sachleistungen geben sollen…?
In Dresden haben sie sich ja jetzt beschwert, mir „hömm ärst zwei Dooche vorhär erfohren“ – isch kann so nit schwätze, dass is doch kein Leben. Zwei Tage vorher erst hätten sie erfahren, dass sie Flüchtlinge kriegen, Huu – Die ham jahrzehntelang überhaupt nix erfahren! „Tal der Ahnungslosen“…. die solle sich ma nit so anstellen.
Die Sachsen warn zu lang hinnerm Zaun. Lagerkoller. Irgendwann liebst du dein Gefängnis. Jetzt wollen se wiedern Zaun, weil sie sich sonst nit frei fühlen. Klatsche. Das ist Psychologie. Unn die bestrafen die neuen Flüchtlinge da defür, dass sie sich selbst nit leiden können, noch von früher her, als sie Flüchtlinge waren.
Alles kommt hoch. Wenn auch wieder anders. Es kommt hoch. – Wenn du dich bewegst. Bewegung erzeugt Gegenbewegung. Leute kommen, Leute gehen, nur der Hesse, der bleibt stehen. –
Der Hesse bewegt sich nicht. Schon immer nie. Völkerwanderung, komm, geh fott! Färz… Ich muss sagen: gut, also jetzt mal was die Flüchtlingsvergleiche, gä,  da sag ich mal: damals, zu DDR-Zeiten, waren weniger Schwarze dabei. Aber dadefür möglischerweise mehr Braune.
Klar: Wir Wessis sind insgesamt nicht besser als die da drübbe, aber die sind anders. Wir nicht.
Ob die neuen Fremden hier bleiben? Bei uns. In Hessen? Isch glaub nit, dass die bleiben. Die könn ja vergleichen, die sind ja nicht von hier. Wie wir aber. Wie isch. Also wern sie hier auch wieder weg.
Un isch – bleib.
(dieser Text auch in memoriam Dieter Thomas. R.I.P.)

4. … der Richter Aus einer Prozessakte?

Der Richter kam in Flip-Flops.

Ein Schöffe trug die Förmchen, ein anderer das Eimerchen.

Man hätte einen Eisenträger fallen hören können. Alle warteten. Keiner fiel. Die Flut kam. Der Prozess konnte beginnen. Der Beichtstuhl hatte sich bereits vor Stunden entleert, wurde noch mal leise durchgepustet, mit dezent eingesetztem Sandstrahl.

Der Richter ergriff das Wort. „Bereit zu neuen Sünden?“, zwinkerte er freundlich, der Saal raunte „Ja“. Allein der Herr Kaplan ging wortschüttelnd ins Wasser, hob die Flosse und tauchte ab.

Der Richter zog die Flip-Flops aus, pellte sich Haut aus den Zehen, bohrte in der Nase, einige Zeugen klatschten Beifall, aus Respekt vor dem Hohen Gericht wohl, ein Schöffe wurde ausgewechselt, der Angeklagte wurde hereingetragen, verschied plötzlich. Die Verhandlung war geschlossen.

„Der Nächste, bitte!“, rief der Richter.

NOCH MEHR BEWEISE IM BUCH „Zusammenstöße“

5. … Der Programmtip: Reusch rettet die Welt Das Grauen, die Grünen und der Gemüsefisch

(Ausschnitt aus dem Kabarettprogramm) …wird fortgesetzt… Die überflüssigen Pfunde sind weg, d.h. meine Freundin. Ich esse alleine, ich esse gerne. Alles. Auch schon mal sabbernd. Fleischsaft halber. Es gab mal ne Forderung der Grünen: „Mehr Platz für Schweine.“ Also: größere Teller – oder was?! Vegetarisch ist doch trostlos! Das ist doch der permanente Karfreitag. Diese evangelische Freudlosigkeit gibt’s auch in der Tierwelt. September 2013 wurde ein Tier entdeckt, am Amazonas. Schön. Ein Piranha,Und? da lese ich: „Der neue Piranha ist ein Vegetarier!“ Was soll das? – Es gibt auch für Tiere gewisse Spielregeln, finde ich, für alle, für Kühe und Mäuse und Gebüsche. Was kommt denn als nächstes? Löwen knabbern Löwenzahn … „Ne Caipirinha für den Piranha!“ Killerfische, die Algen zutzeln…das ist doch unwürdig, wäh. – – ja, ist das die Zukunft? Wozu dann noch Zukunft? Vitamine verkaufen sich derweil wie geschnitten Brot. Nimmst’n Technik-Schrott, aah, dann kommen die Leut in Orgasmusnähe wenn du ’n angebissenen Apfel drauf malst. Was soll denn da so jemand wie der Mollath von uns denken? Der iss aussem Irrenhaus raus und denkt: nee ich bin gar nicht draußen. Dieses Geknausere – da kommt doch nix raus. Ein Beispiel: Die deutschen Weight-Watchers haben insgesamt in den letzten Jahren fast 3 Millionen Kilogramm abgenommen – das sind 1.000 Elefanten . Einfach weg. 1000 Elefanten weg! Weil die nix mehr essen!! Ich sach nix, ich sachs nur… Zahlen! Ach, nee bringen sie mir noch son Piranha, ja von den neuen…